Kunstgeschichte - Und was kann man damit später mal machen?

Diese Frage wird mir (und meinen Kommilitonen aus der Kunstgeschichte) regelmäßig gestellt, wenn wir auf die Frage antworten, was wir studieren. Manchmal gefolgt von der Frage: „Dann malst Du also gerne?“ (ja, das hat aber mit dem Inhalt meines Studiums nichts zu tun). Bei Archäologie haben viele das vage Bild im Kopf, wie jemand mit Tropenmütze in heißen Wüstengegenden mühsam nach winzigen Knochensplittern oder Tonscherben gräbt. Das entspricht zwar nicht dem Alltag vieler Archäologen, doch herrscht eine allgemeine, wenn auch unscharfe und stereotype Vorstellung ihrer Tätigkeit vor.

 

Warum aber dieses unwissende Erstaunen über Kunstgeschichte und ihre Berufszweige? Der Name ‚Kunstgeschichte‘ ist Programm, das Fach beschäftigt sich mit der Geschichte der Kunst, im weiteren Sinne aller visuellen Medien. Behandelt wird in der Regel der Zeitraum ab dem Frühmittelalter bis ins 21. Jahrhundert und in der westlich geprägten Welt. Dabei umfasst die ‚Kunst‘ (ohnehin ein schwer zu umreißender Begriff) Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Architektur, Skulptur, Plastik, Kunsthandwerk wie Möbel oder Schmuck, Textilien und die jüngeren Gattungen wie Film, Fotographie, Performance etc. Man wird also in einer enormen zeitlichen, geographischen und gattungstechnischen Bandbreite visueller Kultur geschult, die ihre jeweilige Zeit prägte. Darüber hinaus erwirbt man ein fundiertes Wissen zu Architekturgeschichte, Ästhetik, Kulturgeschichte und Religionsgeschichte.

 

Und was kann man damit mal machen?

 

Das Klischee des Geisteswissenschaftlers als Taxifahrer hält sich hartnäckig. Seit langem wundert mich aber die Inkongruenz zwischen wie Kunst(geschichte) im öffentlichen Raum auftritt und wie wenig allgemein über ihre Tätigkeitsfelder bekannt ist.

Regelmäßig finden sich Berichte über neueröffnete große Ausstellungen in den Zeitungen, Nachrichtenapps und der Tagesschau. Mehrfach haben die astronomischen Rekorde des Kunstmarkts für Schlagzeilen gesorgt. Picasso lässt grüßen. Unglücklicherweise finden sich immer wieder Skandale im Zusammenhang mit Kunst. Raubkunst, Fälschung, Geldwäsche.

 -        Wer also erforscht die Provinienz (sozusagen die Biographie des Kunstwerks, wann es wo in wessen Besitz war) umstrittener Kunstwerke und trägt so zur Resituierung bei? Wer identifiziert Fälschungen?

 -        Wer stellt Ausstellungen zusammen? Wer sucht die Werke dazu aus, kontaktiert die besitzenden Museen oder überredet Privatsammler zum Ausstellen ihrer Schätze? Wer kümmert sich um das Depot oder Archiv, die Inhalte der Onlineseite der Museen, um Neuankäufe zur Sammlung? Wer führt die Besucher durch die Ausstellung?

 -        Wer untersucht zur Auktion eingelieferte Gemälde und identifiziert die Hand des Künstlers? Wer schreibt die Katalogartikel zu den zu versteigernden Objekten und schätzt ihren Preis? Wer steht am Redepult, nimmt Gebote entgegen und schlägt schließlich mit dem Hammer auf den Tisch?

 

Die Antwort auf all diese Fragen lautet in aller Regel: ein Kunsthistoriker. Die Liste könnte noch viel länger werden. Der Punkt jedenfalls ist klar. Überall dort, wo Kunst auftaucht, braucht es Menschen hinter den Kulissen, die sich mit ihr auskennen.

 

Unser Fach wird unterschätzt, das sollten wir ändern.

Wir sind kein Orchideenfach, Kunst ist eine Nutz- und Zierpflanze der Gesellschaft zugleich.