
Die Spätantike war eine Zeit des Umbruchs, aber auch immer wieder der Stabilität und Blüte. Während das weströmische Reich im 5. Jahrhundert unterging, überdauerte das oströmische Reich um die Hauptstadt Konstantinopel bis zum 29. Mai 1453, als die Stadt vom osmanischen Sultan Mehmed II. erobert wurde. Unter Kaiser Justinian (483 - 565 n. Chr.), einem der bekanntesten Herrscher, erlebte das Reich ein Aufleben alter Ausdehnung und künstlerischer Fülle. Für seine zahlreichen Prunkbauten leerte Justinian beinahe die Staatskasse, jedoch verdanken wir ihm Bauwerke wie die Hagia Sophia.

Die Kleidung der Spätantike und der byzantinischen Zeit war noch von der Antike beeinflusst. Frauen trugen lange Kleider, die als T-förmige, lose Tunika geschnitten waren. Unter der Brust oder in der Taille konnte diese gegürtet werden. Die Kleidung war häufig mehrlagig: über einem Unterkleid, der tunica interior, trug man eine lange Dalmatik und darüber einen Schal, Mantel oder ein Überkleid. Mäntel schloss man mit Fibeln, bei Hofe waren diese aus Gold und mit wertvollen Edelsteinen und Perlen besetzt. Häufig waren die Rock- und Handgelenkssäume der Kleider bestickt. Das Material reichte von Wollstoffen oder groben Leinen einfacher Leute zu prächtigen Seidenstoffen mit Goldstickerei am Kaiserhof. Die Mosaiken in San Vitale, Ravenna, vermitteln einen Eindruck des reichen Hofes und zeigen die Kleidung der Kaiserin Theodora und ihrer Hofdamen detailliert.
Diese Verso-Seite des Diptychons des Heermeisters Stilicho aus dem fünften Jahrhundert zeigt seine Ehefrau Serena. Sie trägt eine gegürtete Dalmatik (T-förmig geschnittene lockere Tunika mit kurzen Ärmeln) über einer langärmligen tunica interior. Darüber hat sie eine lange Palla gelegt. Das Diptychon aus Oberitalien von ca. 440 stammt zwar aus dem weströmischen Teil, doch die Kleidung entspricht der im Byzantinischen Reich.

Im sechsten Jahrhundert, unter Justinian I., gelang es, in Konstantinopel eine eigene Seidenproduktion aufzubauen: dafür schmuggelte man der Legende nach Seidenraupen und Maulbeerpflanzen aus China. Schnell stieg das Reich zum führenden Seidenproduzenten für Westeuropa auf. Die hohe Qualität und die aufwendigen Muster der Seidenstoffe, wie bei Theodoras Hofdamen zu sehen, machten sie überall begehrt. Deshalb unterstand die Industrie der kaiserlichen Kontrolle und die Stätten waren nahe dem Kaiserpalast angesiedelt. Seide erhielt mit der Zeit eine enorme Symbolkraft und fungierte gleichsam als Markenzeichen des Byzantinischen Reiches - sie kam als Gastgeschenk, aber auch als Zahlungsmittel zum Einsatz.
Bestes reinweißes Leinen war auch begehrt. Um es zu veredeln, konnte das Gewebe mit Goldfäden durchwirkt werden. Zur weiterführenden Lektüre sei beispielsweise das Oxford Handbook of Byzantine Art and Architecture genannt.

Kaiserliche Kleidung:
Während die Materialien und deren Verzierung mit Stickerei, Perlen und Edelsteinen an Pracht über die Jahrhunderte zunahmen, blieben die Grundschnitte des kaiserlichen Ornats geometrisch schlicht.
Wichtiger Bestandteil ist beim Herrscher wie seiner Frau der Loros. Diese Stola, besetzt mit Edelsteinen, war mehrere Meter lang und wurde X-förmig um den Körper gewickelt und das Ende über den linken Arm drapiert, sodass das Erscheinungsbild an das Christusmonogramm "XP" erinnert. Frauen trugen den schweren Loros manchmal gegürtet, vermutlich um das Gewicht mit auf die Hüften zu verteilen, ähnlich wie bei Trekking-Rucksäcken heute.
Der breite Kragen, als Superhumerale oder Maniakis bezeichnet, ebenfalls mit Edelsteinen verziert und golddurchwirkt, ist ein weiteres markantes Gewandelement. Er ist aus Stoff gefertigt oder besteht aus verbundenen Gliedern aus Edelmetall und mit bis zu drei Reihen großer Perlen gesäumt. Zusätzlich kann er mit hängenden tropfenförmigen Perlen, Pendilien, geschmückt sein.
Der purpurfarbene, an der rechten Schulter zusammengehaltene knöchellange Umhang, Paludamentum bzw. Chlamys, ein ist ebenfalls Erkennungszeichen des Kaiserpaares.
Die Chlamys wurde oft mit Stoffpanelen verziert, die figürliche Darstellungen (in der Regel biblische Szenen) zeigten.

Purpur, die Farbe der Kaiser, war extrem wertvoll, da zehntausende Purpurschnecken für die Farbstoffmenge für ein einzelnes Kleidungsstück benötigt wurden. So blieb der echte Purpur der imperialen Familie vorbehalten. Der Titel "porphyrogennetos" bzw. "porphyrogenneta" für die Söhne und Töchter des Kaisers ("in Purpur geboren") versinnbildlicht den Status der Farbe als Symbol für die Macht. Aufgrund des Ursprungs des Farbstoffs konnten die gefärbten Gewänder jedoch unangenehm riechen. Purpur, ein Pigment hergestellt aus der Purpurschnecke Janthina janthin, bedurfte enorm vieler Schnecken für nur wenige Gramm Farbstoff. Frisch gefärbt erzeugt Purpur ein rötlich-lilafarbenes Ergebnis, welches sich mit der Zeit zunehmend ins Blaue ändert. Kleidungsstücke als gealtertem Purpurstoff waren daher auch ein Symbol generationsübergreifender göttlich-kaiserlicher Macht.
Zusätzlich ist die Chlamys mit dem Tablion verziert, einem rechteckigen bzw. rautenförmigen Einsatz aus reichem Stoff auf Brust-/Taillenhöhe. Dieses Würdenzeichen wurde auch von hochstehenden Mitgliedern des Hofes getragen.
Die Darstellungen der Kaiser und ihrer Frauen zeigen praktisch immer diese zeremonielle Kleidung, doch wurde sie wohl tatsächlich nur zu wenigen Anlässen im Jahr getragen.

Haare:
Viele Frauen, besonders unverheiratete, trugen das Haar mit Haarnadeln aus Knochen, Edelmetall oder Schildpatt hochgesteckt und mit einem langen Schleier bedeckt.
Im sechsten Jahrhundert trugen hochstehende adlige Damen eine haubenartig voluminose Kopfbedeckung, die ringförmig am Gesicht anlag. Sie konnte mit Perlen und Edelsteinen verziert sein.
Die Büste der bemerkenswerten Kaiserin Theodora und die Darstellung von Ariadne oben zeigen darauf sitzend noch eine kronenartige Kopfbedeckung, die von Perlen gesäumt ist und sich zu zwei Höckern erhob.
Die byzantinische Kaiserkrone, Kamalaukion oder Stemma, ist ein breites Reifendiadem mit der crux gemmata über der Stirn (ein Kreuz aus tropfenförmigen Perlen) und herabhängenden Pendilien -> s.o. Rekto-Seite des Diptychons aus Florenz.

Schmuck:
Schmuck war sehr verbreitet im Byzantinischen Reich. Gemugelte (zu einer Halbkugel abgeschliffene) Edelsteine wurden gefasst auf Schmuckstücke aufgesetzt, rundgeschliffene Steinperlen durchbohrt und mit Golddraht zu Ketten aufgefädelt. Lange Ohrringe mit Steinen und Perlen finden sich besonders in Darstellungen von Kaiserinnen und hochstehenden adligen Frauen.
Armschmuck war ebenfalls ein bedeutendes Element der Kleidung. Erhaltene Armreifen sind aus Golddraht und Filigran gearbeitet, mit Ornamenten in Treibarbeit verziert oder großflächig mit Email geschmückt. Häufig sind die Schmuckschmücke mit émail cloisonné verziert, mit Zellenschmelzemaille. Dabei werden dünne Stege aus Gold auf die Grundplatte aufgelötet, in die dann das Email gefüllt und alles gebrannt wird.
Als weiterführende Lektüre sei speziell zu Ringen Sandra Hindmans Publikation Golden Marvels of Byzantium: A Millennium of Finger-Rings (3rd-13th Century) (2017) genannt.
Schnittmuster:
Die meisten byzantinischen Kleidungsstücke basieren auf einfachen geometrischen Formen. Für die Tuniken eignet sich als Grundschnitt ein Rechteck. Länge: Schulterbreite großzügig bemessen bis Füße + Nahtzugabe*, Breite: Hüftumfang plus genug Spielraum (sodass das Gewand ausreichend lose auch über Büste und Gesäß fällt) + Nahtzugabe*. Die Ärmel können dann angesetzt werden, oder die Tunika wird gleich T-förmig zugeschnitten.
* hier wird üblicherweise mit 4cm an den Säumen, sonst 1,5cm gerechnet.
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