Nähprojekte

Detail of an embroidered dress, Nina Möller pearl embroidery satin blue
Pearl embroidery on blue satin, Nina Möller

Mit der Schneiderei habe ich, als mir als Kind ein handgefertigtes Mittelalterkleid sehr gefiel, ich aber sofort herausgewachsen wäre. Schon immer haben mir Kostümfilme sehr gefallen und als ich mit 12 die Herr der Ringe-Trilogie gesehen habe, wollte ich sofort die Filmkostüme Arwens und Eowyns nachnähen. Mit der Zeit bin ich zu historischen Kleidern und "normaler" Mode des 21. Jahrhunderts übergegangen.

Meine Inspiration ist normalerweise die Kunstgeschichte mit Gemälden und Modedrucken, oder Kostümverfilmungen. Bevor ich mich an ein historisches Gewand mache, recherchiere ich. Dies könnt Ihr in der Kostümgeschichte tun

Selbstverständlich ist es beinahe unmöglich, echte "Authentizität" zu erreichen, doch lohnt sich die Mühe, sich möglichst genau an die in der Epoche existierenden Stoffe und Schnittmuster zu halten. Wenn ich den Schnitt nicht selbst erstelle, benutze ich handelsübliche und ändere oder vermische sie wie nötig. Danach geht es an den Einkauf, sofern mein eigener Bestand nicht genug hergibt - auf die Jagd nach dem perfekten Stoff, der Borte oder Knöpfen. Wenn man das gute Stück zum ersten Mal in einem Zustand anprobiert, in dem erkennbar ist, was es werden soll, ist das Gefühl einfach magisch! Es ist wie Achterbahn fahren oder mit dem Flugzeug abzuheben. Echte Freude. Und so vergisst man die stundenlange Arbeit, die Kratzer von Stecknadeln und die Ausrufe wenn gelegentlich etwas nicht sofort klappt. Neben historischen Kostümen schneidere ich auch "normale" Mode des 21. Jahrhunderts, denn es macht einen einfach ein bisschen stolz, eigene Entwürfe umzusetzen und so Unikate zu tragen.

 

PROJEKTE

 

1. Mode des 21. Jahrhunderts

2. Roséfarbene Robe à la Polonaise

3. Italienisches Renaissancegewand

4. Regency / Empire / Biedermeier-Kleider

5. In Planung

 

 

1. Mode des 21. Jahrhunderts

Sommerlicher Tellerrock aus italienischem Leinen © Nina Möller - Mode Rock
Sommerlicher Tellerrock aus geblümtem italienischem Leinen

Bei meinem letzten Besuch in Florenz habe ich natürlich wieder die Stoff- und Handarbeitsgeschäfte unsicher gemacht und bin, wie nicht anders zu erwarten, fündig geworden. Dieses hinreißende, blau geblümte und in Italien gefertigte Leinen ist mir sofort ins Auge gesprungen und so habe ich 1,5m mitgenommen. Bei einer Stoffbreite von 150cm war das ausreichend für einen Tellerrock, der nun fertig ist und sich wunderbar für sonnige Tage in München eignet. Tellerröcke sind einfach perfekt für den Sommer, denn sie sind luftig und elegant zugleich und durch die Länge bis übers Knie kann man problemlos jede italienische Kirche besichtigen.

2. Roséfarbene Robe à la Polonaise

Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann
Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann

Diese Robe à la Polonaise war eine echte Herausforderung, sowohl für mich als auch für meine Nähmaschine, die irgendwann angesichts der vielen Lagen Stoff im Mieder gestreikt hat. Ich habe ein fertiges Schnittmuster verwendet, die hintere geraffte Rockpartie aber selbst gestaltet. Das Kleid ist aus Taft, verziert mit Borte aus demselben Stoff, sowie Goldborte. In das Oberteil integriert ist das mit Stäbchen verstärkte Mieder aus starkem Leinen. Die Engageants sind aus Spitze, der Unterrock aus Leinen mit einer vorderen Partie aus Satin.

 

In der Farbgebung des Überkleides habe ich mich an Francois Bouchers Farbgebung orientiert, besonders an seinem Portrait von Madame de Pompadour aus dem Jahre 1759 (Wallace Collection). Der Unterrock ist weiß und nicht aus demselben Stoff wie die Robe à la Polonaise, damit er auch zu meinem auberginefarbenen 'Versuchs-Rokoko-Manteau' à la Fluch der Karibik passt. 

Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann
Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann

 

Viel Arbeit haben vor allem das Miederoberteil und das Legen und Festnähen der einzelnen Rockfalten gemacht. Das Miederoberteil besteht aus zwei Lagen Leinen, in die die Kanäle für die Stäbchen eingenäht sind. Darüber befindet sich der sichtbare Taft. Verschlossen wird das Kleid vorne mit Haken- und Ösenband, verdeckt durch die senkrecht laufende Borte. Als das Band zu den drei Lagen Stoff hinzukam, hat meine Nähmaschine leider klein beigegeben, weshalb ich die Front von Hand genäht und gesäumt habe.

 

3. Italienisches Renaissancegewand

Detail: Italienisches Renaissancegewand aus silberblauem Satin, verziert mit Goldborte, Spitze und Perlstickerei (© Nina Möller) (© Nina Möller) - inspired by the Borgias
Detail: Italienisches Renaissancegewand aus silberblauem Satin, verziert mit Goldborte, Spitze und Perlstickerei (© Nina Möller)
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Gown, 15th century, © Nina Möller
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Gown, 15th century, © Nina Möller

Schon seit längerem hatte ich vor, ein Kleid einer meiner Lieblingsepochen zu schneidern: die Renaissance in Italien. Den Impuls dazu, diese Idee endlich in Angriff zu nehmen, hat mir die Serie The Borgias gegeben. Die Kleider von Lucrezia Borgia und Giulia Farnese sind einfach hinreißend. Wenngleich sie nicht 100% der Mode der Zeit entsprechen, ist der visuelle Effekt glänzend.

Die Mode des ausgehenden 15. Jahrhunderts ist spannend: während in anderen Gegenden Europas die schmale Taille ab den 1480ern mit ersten Miedern aus starkem Leinen und Fischbein geschnürt wurde, war die Kleidung in Italien freier. Wie später im frühen 19. Jahrhundert, war die Taillenlinie höher als die natürliche Taille. Der volle, stoffreiche Rock fiel in langen Falten und die Stoffe waren farbenfroh. Diesen Kontrast von Italien zu Nordeuropa hat Albrecht Dürer in der Zeichnung "Nürnbergerin und Venezianerin" (Städel Museum Frankfurt, um 1495) auf humorvolle Weise auf den Punkt gebracht.

 

My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Dress, 15th century. Blue satin, blue-green taffeta, wite musslin, lace, gold braid and beads © Nina Möller
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Dress, 15th century. Blue satin, blue-green taffeta, wite musslin, lace, gold braid and beads © Nina Möller

Die Standards des Mittelalters waren einer neuen Schneiderkunst gewichen: der Taillennaht. Vorder- und Rückenteil der Gewänder wurden nicht länger als ein Stück geschnitten. Dem Körper angepasst wurden die Kleider durch Schnürung und die Ärmel konnten durch Bänder oder Knöpfe abgenommen und getauscht werden. 

In meinem Bestand fand sich ein Ballen mit mehreren Metern silberblauem Satin, sowie Musselin für die Ärmel. Das Schnittmuster habe ich selbst erstellt. Mein Credo bei diesem Kleides war ein wenig 'The Borgias-fantasiehaft', es ging mir um die Silhouette und den Eindruck, weshalb ich mir kein Gemälde des Quattrocento o.ä. zum Vorbild genommen habe.

Das Miederoberteil wird durch verdeckte Ösen und Schnürung geschlossen. Der vorne offene Rock ist mit baugrünem Taft verbrämt.

Die weißen Ärmel sind am Handgelenk gerafft und mit goldenen Rocaille-Perlen bestickt. Die zweiteiligen Überärmel zum Anschnüren sind noch in Arbeit. Ebenso sollte ein Unterrock darunter, damit der Rock kegelförmiger fällt. Natürlich musste das Kleid mit nach Florenz, um dort in der toskanischen Sonne Fotos zu machen. Bei Gelegenheit werde ich die Ärmel vollenden und mich an ein mit Perlen verziertes Haarnetz machen.

4. Regency / Empire / Biedermeier-Kleider

Mittlerweile sind zwei meiner Empire/Regency-Gewänder fertig: ein Ballkleid aus cremeweißem Musselin mit floraler Stickerei und ein Abend- oder Hofkleid aus altgrünem Satin mit Überkleid aus Samt.

Den Schnitt für das Ballkleid mit fließendem Rock, gerafftem Oberteil und kleinen Puffärmeln habe ich selbst erstellt. Als bekennender Jane Austen-Fan stelle ich mir vor, dass es Emma Woodhouse, Jane Fairfax oder einer der Bennet-Schwestern gefallen haben könnte.

Die Grundlage für das grüne Kleid ist das Schnittmuster Burda 2493. Mir gefällt der Kontrast des seidigen Satins zum weichen Samt des Überkleides sehr gut. Letzteres ist am Ausschnitt mit antiker Goldborte verziert.

5. In Planung

So langsam haben sich doch ein paar Projekte angesammelt, die ich nun nacheinander (oder parallel, worauf es öfter hinausläuft) abarbeiten möchte: zwei Seidenshirts, ein silberner Brokat-Minirock bei dem der Reißverschluss fehlt (er ist übrigens aus den Trompetenärmeln eines nie fertiggestellten Fantasykleids zugeschnitten worden), ein rosa/lavendelfarbenes Kleid, ein Maxikleid mit 40s-Einflüssen, und und und.

 

Zwei weitere Historiengewänder sind auch in Planung bzw. bereits in der Phase der Umsetzung:

Ein Spencer, aus rotem Samt mit schwarzen Ärmeln und Goldborte, und ein Morgen- oder Spazierkleid aus Leinen. Letzteres ist fast fertig, doch mit dem grasgrünen Stoff bin ich nicht glücklich, bei Gelegenheit werde ich das Kleid dunkelblau umfärben.


© Nina Möller