Nähprojekte

1. Regency / Empire / Biedermeier-Kleider

2. Roséfarbene Robe à la Polonaise

3. Italienisches Renaissancegewand

4. Mode des 21. Jahrhunderts

 

5. In Planung und Arbeit

 

 

1. Regency / Empire / Biedermeier-Kleider

Spencer und Musselinkleid, Stamford Georgian Festival. Jane Austen era, Regency Mode, 19. Jahrhundert. Foto: Charlie Wilkins
Spencer und Musselinkleid, Stamford Georgian Festival. Foto: Charlie Wilkins

Mein Spencer nach dem Schnitt von McCall's Costumes 7493 ist fertig! Ich habe den Kragen abgeändert in einen hohen Stehkragen, habe die Zaddeln entlang der Schulternähte eingefügt in Anlehnung an die Pelisse im Museum of London und habe als Verschluss vorne Perlmuttknöpfe meiner Urgroßmutter verwendet. Der Stoff ist ein Jacquard mit dezenter Streifen-Struktur, nicht völlig historisch korrekt da es sich um eine Baumwoll-Kunstfaser-Mischung handelt, aber die Wirkung des leicht glänzenden Stahlblau gefällt mir dennoch sehr gut. Das Schnittmuster war sehr angenehm zu verwenden und passt hervorragend, auch die Schulter- und Ärmelnähte die ich manchmal im Vorfeld abändern muss um unangenehmes Ziepen zu vermeiden.

 

Nachdem ich den Spencer bisher nur für Fotos getragen habe, konnte ich ihn endlich zum Stamford Georgian Festival im September zusammen mit meinem Musselinkleid tragen.

Mittlerweile sind zwei meiner Empire/Regency-Gewänder fertig: ein Ballkleid aus cremeweißem Musselin mit floraler Stickerei und ein Abend- oder Hofkleid aus altgrünem Satin mit Überkleid aus Samt.

Den Schnitt für das Ballkleid mit fließendem Rock, gerafftem Oberteil und kleinen Puffärmeln habe ich selbst erstellt. Als bekennender Jane Austen-Fan stelle ich mir vor, dass es Emma Woodhouse, Jane Fairfax oder einer der Bennet-Schwestern gefallen haben könnte.

Die Grundlage für das grüne zweilagige Kleid ist das Schnittmuster Burda 2493. Mir gefällt der Kontrast des seidigen Satins zum weichen Samt des Überkleides sehr gut. Letzteres ist am Ausschnitt mit antiker Goldborte verziert.

2. Roséfarbene Robe à la Polonaise (à l'Anglaise Retrousèe) (1780er)

Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann
Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann

Technisch korrekt wäre Robe à l'Anglaise retrousée, denn eine "echte" Robe à la Polonaise hat keine Naht zwischen Oberteil und Rock sondern ist durchgehend. Da aber selbst große Museen diese Unterscheidung nicht machen und es sich verbreitet hat, Kleider mit gerafftem Rock als Polonaise zu bezeichnen, folge ich dem hier und nenne mein Kleid eine Polonaise.

 

Diese Robe war eine echte Herausforderung, sowohl für mich als auch für meine Nähmaschine, die irgendwann angesichts der vielen Lagen Stoff im Mieder gestreikt hat. Ich habe ein fertiges Schnittmuster verwendet, die hintere geraffte Rockpartie aber selbst gestaltet. Geschnitten ist das Kleid als Italian Gown im Stil der 1780er und dann mit Bändern zu einer Polonaise gerafft.

Das Kleid ist aus Taft, verziert mit Borte aus demselben Stoff, sowie Goldborte. In das Oberteil integriert ist das mit Stäbchen verstärkte Mieder aus starkem Leinen. Die Engageants sind aus Spitze, der Unterrock aus Leinen mit einer vorderen Partie aus Satin.

 

In der Farbgebung des Überkleides habe ich mich an Francois Bouchers Farbgebung orientiert, besonders an seinem Portrait von Madame de Pompadour aus dem Jahre 1759 (Wallace Collection). Der Unterrock ist weiß und nicht aus demselben Stoff wie die Robe à la Polonaise, damit er auch zu meinem auberginefarbenen 'Versuchs-Rokoko-Manteau' à la Fluch der Karibik passt. 

Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann
Roséfarbene Robe à la Polonaise, Nina Möller. Foto: Peter Lochmann

 

Viel Arbeit haben vor allem das Miederoberteil und das Legen und Festnähen der einzelnen Rockfalten gemacht. Das Miederoberteil besteht aus zwei Lagen Leinen, in die die Kanäle für die Stäbchen eingenäht sind. Darüber befindet sich der sichtbare Taft. Verschlossen wird das Kleid vorne mit Haken- und Ösenband, verdeckt durch die senkrecht laufende Borte. Als das Band zu den drei Lagen Stoff hinzukam, hat meine Nähmaschine leider klein beigegeben, weshalb ich die Front von Hand genäht und gesäumt habe.

 

3. Italienisches Renaissancegewand

Detail: Italienisches Renaissancegewand aus silberblauem Satin, verziert mit Goldborte, Spitze und Perlstickerei (© Nina Möller) (© Nina Möller) - inspired by the Borgias
Detail: Italienisches Renaissancegewand aus silberblauem Satin, verziert mit Goldborte, Spitze und Perlstickerei (© Nina Möller)
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Gown, 15th century, © Nina Möller
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Gown, 15th century, © Nina Möller

Schon seit längerem hatte ich vor, ein Kleid einer meiner Lieblingsepochen zu schneidern: die Renaissance in Italien. Den Impuls dazu, diese Idee endlich in Angriff zu nehmen, hat mir die Serie The Borgias gegeben. Die Kleider von Lucrezia Borgia und Giulia Farnese sind einfach hinreißend. Wenngleich sie nicht 100% der Mode der Zeit entsprechen, ist der visuelle Effekt glänzend.

Die Mode des ausgehenden 15. Jahrhunderts ist spannend: während in anderen Gegenden Europas die schmale Taille ab den 1480ern mit ersten Miedern aus starkem Leinen und Fischbein geschnürt wurde, war die Kleidung in Italien freier. Wie später im frühen 19. Jahrhundert, war die Taillenlinie höher als die natürliche Taille. Der volle, stoffreiche Rock fiel in langen Falten und die Stoffe waren farbenfroh. Diesen Kontrast von Italien zu Nordeuropa hat Albrecht Dürer in der Zeichnung "Nürnbergerin und Venezianerin" (Städel Museum Frankfurt, um 1495) auf humorvolle Weise auf den Punkt gebracht.

 

My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Dress, 15th century. Blue satin, blue-green taffeta, wite musslin, lace, gold braid and beads © Nina Möller
My "Lucrezia Borgia" Italian Renaissance Dress, 15th century. Blue satin, blue-green taffeta, wite musslin, lace, gold braid and beads © Nina Möller

Die Standards des Mittelalters waren einer neuen Schneiderkunst gewichen: der Taillennaht. Vorder- und Rückenteil der Gewänder wurden nicht länger als ein Stück geschnitten. Dem Körper angepasst wurden die Kleider durch Schnürung und die Ärmel konnten durch Bänder oder Knöpfe abgenommen und getauscht werden. 

In meinem Bestand fand sich ein Ballen mit mehreren Metern silberblauem Satin, sowie Musselin für die Ärmel. Das Schnittmuster habe ich selbst erstellt. Mein Credo bei diesem Kleides war ein wenig 'The Borgias-fantasiehaft', es ging mir um die Silhouette und den Eindruck, weshalb ich mir kein Gemälde des Quattrocento o.ä. zum Vorbild genommen habe.

Das Miederoberteil wird durch verdeckte Ösen und Schnürung geschlossen. Der vorne offene Rock ist mit baugrünem Taft verbrämt.

Die weißen Ärmel sind am Handgelenk gerafft und mit goldenen Rocaille-Perlen bestickt. Die zweiteiligen Überärmel zum Anschnüren sind noch in Arbeit. Ebenso sollte ein Unterrock darunter, damit der Rock kegelförmiger fällt. Natürlich musste das Kleid mit nach Florenz, um dort in der toskanischen Sonne Fotos zu machen. Bei Gelegenheit werde ich die Ärmel vollenden und mich an ein mit Perlen verziertes Haarnetz machen.

4. Mode des 21. Jahrhunderts

Sommerlicher Tellerrock aus italienischem Leinen © Nina Möller - Mode Rock
Sommerlicher Tellerrock aus geblümtem italienischem Leinen

Bei meinem letzten Besuch in Florenz habe ich natürlich wieder die Stoff- und Handarbeitsgeschäfte unsicher gemacht und bin, wie nicht anders zu erwarten, fündig geworden. Dieses hinreißende, blau geblümte und in Italien gefertigte Leinen ist mir sofort ins Auge gesprungen und so habe ich 1,5m mitgenommen. Bei einer Stoffbreite von 150cm war das ausreichend für einen Tellerrock, der nun fertig ist und sich wunderbar für sonnige Tage in München eignet. Tellerröcke sind einfach perfekt für den Sommer, denn sie sind luftig und elegant zugleich und durch die Länge bis übers Knie kann man problemlos jede italienische Kirche besichtigen.

5. In Planung und Arbeit

So langsam haben sich doch ein paar Projekte angesammelt, die ich nun nacheinander (oder parallel, worauf es öfter hinausläuft) abarbeiten möchte: Tellerröcke, ein rosafarbenes Etuikleid, 40er Vintage Kleider und mehr.

 

Zwei weitere Historiengewänder sind auch in Planung bzw. bereits in der Phase der Umsetzung:

ein neues Regency/Biedermeierkleid aus geblümter Baumwolle, eine Ropa des 16. Jahrhunderts aus schwarzem Samt mit Goldborte, eine Caraco-Jacke des 18. Jahrhunderts und eine Tudor Chemise mit Blackwork Stickerei.


© Nina Möller