Nähprojekte Empire / Regency

Nachdem der nächste georgianische Ball sicher kommt habe ich beschlossen, ein neues Kleid zu machen. Das Kleid hat Puffärmel, kleine Dorset-Knöpfe und einen Falten-/Rüschenbesatz am Saum. Nachdem ich keinen Reißverschluss einsetzen wollte, habe ich mich für Knöpfe am Rücken entschieden. Diesmal ist der Saum auch nur knöchellang da ich beim Tanzen sonst ständig darauftrete wenn ich einen Schritt rückwärts mache.

 

Eine Regency Pelisse aus blauviolettem Taft in Rückenansicht
Regency Pelisse

Eine Pelisse ist ein leichter Mantel, der quasi wie ein Kleid oder ein Spencer mit Rock geschnitten ist. Meine ist aus 2,5m Baumwolltaft gefertigt den ich in den Ferien in Dorset (Südengland) gekauft habe. Der Schnitt ist selbst entworfen, aberich habe mich im Oberteil an McCalls M7493 orientiert. Das Rückenteil habe ich etwas weiter geschnitten, damit ich die strahlenförmigen Abnäher einfügen konnte. Über den Ärmeln sind jeweils vier blütenblattförmige Flügelchen angenäht um die Schultern zu betonen und so die Silhouette der späteren 1810er Jahre zu erreichen. Gefüttert ist die Pelisse mit rotem Futterstoff und zusätzlich im rückwärtigen Oberteil mit einer versteckten und abgesteppten Lage Fleece (eine Fleecedecke musste dran glauben...), für etwas mehr Wärme an kalten englischen Abenden. Im Futter des Rockteils ist innen versteckt in den Futterstoff ein 20cm breiter Streifen Filz eingenäht damit der Rock schön schwer fällt.

 

Ursprünglich war der Stoff für eine Open Robe geplant, aber im englischen Wetter erschien eine Pelisse deutlich notwendiger. An sich war das Nähen relativ simpel aber die Details wie die handgesäumten Flügelchen oder die Rouleaux-Details (z.B. unter dem Nacken) waren doch sehr zeitintensiv. Aber am Ende lohnt es sich ja doch immer.

Spencer und Musselinkleid, Stamford Georgian Festival. Jane Austen era, Regency Mode, 19. Jahrhundert.
Spencer und Musselinkleid, Stamford Georgian Festival.

Mein Spencer nach dem Schnitt von McCall's Costumes 7493 ist fertig! Ich habe den Kragen abgeändert in einen hohen Stehkragen, habe die Zaddeln entlang der Schulternähte eingefügt in Anlehnung an die Pelisse im Museum of London und habe als Verschluss vorne Perlmuttknöpfe meiner Urgroßmutter verwendet. Der Stoff ist ein Jacquard mit dezenter Streifen-Struktur, nicht völlig historisch korrekt da es sich um eine Baumwoll-Kunstfaser-Mischung handelt, aber die Wirkung des leicht glänzenden Stahlblau gefällt mir dennoch sehr gut. Das Schnittmuster war sehr angenehm zu verwenden und passt hervorragend, auch die Schulter- und Ärmelnähte die ich manchmal im Vorfeld abändern muss um unangenehmes Ziepen zu vermeiden.

 

Nachdem ich den Spencer bisher nur für Fotos getragen habe, konnte ich ihn endlich zum Stamford Georgian Festival im September zusammen mit meinem Musselinkleid tragen.

 

Mittlerweile besitze ich somit drei Empire-Kleider sowie ein Unterkleid aus feinem weißem Leinen und ein Überkleid aus grünem Samt.

Empfehlen kann ich die Schnittmuster von Sense&Sensibility Patterns sehr, zum Beispiel in Kooperation mit Simplicity - Nummer 4055, sowie Burda 2493. Das Burdaschnittmuster kommt mir weniger zeitgemäß vor da die Rüschen und Raffung am Oberteil nicht so fein und kleinteilig wirken wie es Gewänder der frühen 1800er normal tun. Mir gefällt das Gewand daraus aber gut und der Kontrast des seidigen Satins zum weichen Samt des Überkleides ist sehr gefällig. Letzteres ist am Ausschnitt mit antiker Goldborte verziert, die ich von meiner Oma habe.

Ich stehe auf der Brücke des Anwesens im Haupttor in einem langen weißen Kleid und Biedermeier-Spencer. This image shows Baddesley Clinton, a historic home, with a bridge on which I stand in a white Regency Dress and blue Spencer
Bei Baddesley Clinton.

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