Mode im 16. Jahrhundert

Königin Elisabeth I in prachtvoller Kleidung (flickr, Foto von mware2012) - Tudor Elisabethianische Mode
Königin Elisabeth I in prachtvoller Kleidung (flickr, Foto von mware2012)

Die Tudors und das Elisabethanische Zeitalter:

 

Das Haus der Tudor ist eine walisische Dynastie, die während des Rosenkrieges zwischen den Häusern Lancaster und York zum Königsthron aufstieg und das Königreich England und Irland von 1485 bis 1603 regierte. Fünf Tudors regierten das Land. Die Linie wurde von Owen Tudor begründet, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte, und sie endete mit dem Tod der kinderlosen Königin Elisabeth I. (1533 - 1603). Elisabeth, die Tochter von König Heinrich VIII. und Anne Boleyn, wurde 1558 nach dem Tod ihrer Halbschwester (Bloody) Mary I. Königin.

Als kleine Erinnerung die Schicksale der sechs Ehefrauen Heinrichs: Katherine von Aragon - 1533 geschieden, Anne Boleyn - 1536 geköpft, Jane Seymour - 1537 im Kindbett gestorben, Anna von Kleve - 1540 geschieden, Catherine Howard - 1542 hingerichtet, Catherine Parr - überlebte ihren Mann.

 

Elisabeth I. begann ihre Regierungszeit als Souverän eines armen, von religiösen Konflikten zerrütteten Landes, im Krieg mit Frankreich und bedroht von Spanien. Über ihre lange Regierungszeit hin verbesserte sie den Zustand ihres Königreiches stetig zu einem "Goldenen Zeitalter". Da ihre Geschwister Edward und Mary vor ihr gestorben waren und sie nie heiratete, um ihr Land vor dem Einfluss eines fremdländischen Königs zu bewahren (ein anderer König oder Hochadliger war die einzig angemessene Partie für eine Königin), endete die Linie der Tudors mit ihr.

 

Die Gesellschaft zur Zeit der Tudors war eine Klassengesellschaft mit strikten Regelungen, wer was zu tragen hatte und tragen durfte. Schmuck wie Goldringe, Seidenstoffe und Satin, Farben, Pelz, Verzierungen und vieles mehr unterlagen Vorschriften mit Bezug auf die soziale Stellung und das Vermögen. Niemand unterhalb dem Rang eines Grafen durfte beispielsweise Zobel tragen. Bei Nichteinhalten hatte man strenge Strafen zu fürchten. In England gibt es noch heute den Ausdruck "the fabric of society", der den Aufbau der Gesellschaft meint. Für Menschen im 16. Jahrhundert ließ sich in der Kleidung wie in einem Buch Informationen über den sozialen, familiären und finanziellen Status des Trägers lesen.

Modische Stoffe waren, zumindest unter denen, die sie tragen durften, edle Materialien wie Seide, Brokat, Damask, Satin, Taft und Samtstoffe (Achtung: Samt des 16. Jh. enspricht eher heutigem Polstersamt als bspw. Viskosesamt!). Unterkleidung wurde aus feinem Leinen gefertigt. Verschwenderisch luxuriös waren Stoffe, in die mit echtem Silber oder Gold umwickelte Fäden eingewebt wurden. Eine Variante dessen, die den Luxus auf die Spitze treibt ist im berühmten Porträt Elisabeths als 13-Jährige zu sehen: ihre Ärmel sind aus silbernem Stoff, auf dem sich erhaben zahllose feine Schlaufen aus Goldfäden abzeichnen. Sie zeigt damit, dass sie es sich als Mitglied der königlichen Familie leisten kann, deutlich mehr Goldfaden als nötig zu verbrauchen.

 

Zeichnung von Anne Boleyn von Hans Holbein. Anne trägt das mit Pelz gefütterte gewickelte Nachtkleid, welches ihr Heinrich VIII geschenkt hatte (fickr, Bild von Lisby)
Zeichnung von Anne Boleyn von Hans Holbein. Anne trägt das mit Pelz gefütterte gewickelte Nachtkleid, welches ihr Heinrich VIII geschenkt hatte (fickr, Bild von Lisby)

Sehr beliebt war farbenfrohe Kleidung (außer in Spanien, wo die Kleidung meist schwarz war). Farben hatten symbolische Bedeutungen, Weiß stand für Reinheit und Unschuld, Schwarz für Dunkelheit und Trauer aber auch für Treue, Rot für Macht und Gnade, Gelb (die Farbe der Sonne) für Wärme und Grün für Frühling und Jugend. Weiß und Grün waren die Farben der Tudors und Elisabeth I. trug in ihren späteren Jahren gerne kontrastreiche Kleidung in weiß und schwarz. Purpur war nach wie vor die royale Farbe, die ihrer Gewinnung aus der Purpurschnecke entsprechend sehr teuer war. Meistens wurden die Kleider aus Stoffen wie Samt (Samt des 16. Jahrhunderts entspricht eher heutigem Baumwoll- oder Polstersamt als z.B. Viskosesamt), Seide, Satin, Brokat und Taft gefertigt.

 

Pelz wurde zur Verbrämung von Kleidungsstücken eingesetzt, als Futter von Mänteln  und auch in der Damenmode als weite Ärmel und als Futter von Kleidern. In Anne Boleyns Bildnis (s. unten) kann man ihre braunen Pelzärmel sehen. Pelz auch außen zu tragen war absoluter Luxus da er so wertvoll war, dass selbst reiche Leute ihn funktionsbezogen (um zu wärmen) auf der Innenseite ihrer Kleidung trugen. Spitze, die in Elisabeths Zeit immer wichtiger wurde, trug man normalerweise als Spitzenkragen oder als Verzierung am Ausschnitt und an den Handgelenken. Feine Spitze konnte der teuerste Teil eines Gewandes sein, noch wertvoller als Edelsteine, da viele Arbeitsstunden nötig waren um auch nur ein kleines Stück Spitze zu klöppeln.

 

Jane Seymour (flickr, CC BY-NC-SA 2.0, Abb. von jean louis mazieres) Tudor Mode 16. Jahrhundert
Jane Seymour (flickr, CC BY-NC-SA 2.0, Abb. von jean louis mazieres)

Frauen aller Stände trugen Kleider, die bis zu den Knöcheln und den Handgelenken reichten.

Als Unterwäsche trug man ein Hemd (auch Chemise genannt, im Englischen 'smock') aus feinem Leinen und Strümpfe, die über dem Knie mit Strumpfbändern fixiert wurden. Darüber zog man ein Unterkleid (engl. 'kirtle') mit langem Rock und tiefem Ausschnitt, um am Oberkörper nicht durch unnötigen Stoff unter dem Korsett aufzutragen.

 

Ein wichtiger Bestandteil der Mode im 16. Jahrhundert war die Formung des Körpers mithilfe von Korsett und Reifrock. Das Korsett wurde aus Buckram, einem kräftigen Gewebe (typischerweise Leinen), gefertigt und mit Fischbeinstäben verstärkt. Vorne in der Mitte gab ein Holz- oder Beinstab dem Korsett noch mehr Stabilität. Dieser konnte mit Bildmotiven geschnitzt sein und wurde auch mal von Herren als Geschenk an die Geliebte gegeben. Zu Zeiten Elisabeths I. lief das Korsett am Bauch spitz zu, um die Taille noch schmäler wirken zu lassen und unter dem Unterrock zu bleiben, der darüber getragen wurde. Vorher war die Taillenlinie meist noch gerade und lag etwa auf Höhe der natürlichen Taille der Trägerin, wie auf den Gemälden der Ehefrauen Heinrichs VIII. gesehen werden kann. Bei diesem Portrait Jane Seymours liegt die Öffnung ihres Oberteils vorne, zu ihrer linken Seite ist eine Reihe Nadelköpfe zu sehen, mit denen es zugepinnt wird.

 

Zu Zeiten Heinrichs VIII. trugen nicht alle Frauen den noch kegelförmigen Reifrock, erst langsam kam er in Mode. Die Hüfte wurde mit einer gefütterten Stoffrolle betont.

Später, in der Elisabethanischen Ära, entwickelte sich der Reifrock sich zu einem Zylinder und begann ab der Taille mit einem großen, radartigen Untergestell und fiel dann tonnenartig zu den Füßen herab. Diese Geometrie am Körper ist durch die Renaissance zu erklären, wo man sich zunehmend für als harmonisch aufgefasste geometrische Formen, Mathematik und die Perfektion der Natur (beispielsweise auch in der Gartenkunst mit den Formalen Gärten) interessierte. Zur Zeit der Tudors hatten die Kleider entweder einen eckigen oder runden Ausschnitt oder waren bis zum Hals geschlossen. Optisch bestehen die Kleider aus zwei Teilen: dem Kleid mit vorne geöffnetem Rock und dem Rock darunter. In aller Regel war der untere Rock und die Unterärmel farblich und stofflich vom eigentlichen Kleid abgesetzt. Die gebauschten taupefarbenen Ärmel Jane Seymours gehören nicht zum roten Kleid dazu, sondern wurden mit Bändern auf der Höhe des Ellenbogens an das Kleid angenestelt. So konnte man variieren.

 

Die prächtigen und wertvollen Kleider konnte man praktisch nicht waschen, die einzige Möglichkeit war lüften lassen und ausklopfen. Die Waschsubstanzen des 16. Jahrhunderts, hauptsächlich Kernseife, hätten die zarten Stoffe zerstört. Dafür wusch man die leinene Unterkleidung sehr regelmäßig und wechselte auch oft die Bettwäsche.

 

Heinrich VIII. und Catherine Parr in einem Schauspiel in Hampton Court Palace, UK (Catherines Kleid ist nach dem Portrait gefertigt) (flickr, Bild von Marcio Cabral de Moura) Mode 16. Jahrhundert
Heinrich VIII. und Catherine Parr in einem Schauspiel in Hampton Court Palace, UK (Catherines Kleid ist nach dem Portrait gefertigt) (flickr, Bild von Marcio Cabral de Moura)

Den bekanntesten und klassischen Stil der Tudormode sieht man wunderbar im Portrait der Catherine Parr (Ehefrau Heinrichs VIII. und Königin von England), Meister John zugeschrieben. Zuvor hielt man die dargestellte Dame für Jane Grey.

Königin Catherines Kleid und Kleidung enthält alle charakteristischen Merkmale, die ich aufzeigen möchte. Die Silhouette ab dem Hals abwärts wird von zwei Kegeln dominiert: Schultern ↔ Taille und Taille  ↔ Rocksaum.

 

Mithilfe eines Korsetts wird der Oberkörper geformt. Der ausladende Rock wird durch viele steife Unterröcke und später einen konischen Reifrock (genannt Spanish farthingale) in Form gehalten. Diese Stilisierung und Überformung des Körpers versteckt die individuellen Merkmale der Figur.

Auch die Ärmel sind konisch geformt: weite Pelzärmel über bauschigen Unterärmeln. Es war nach wie vor in Mode, Stoffe und Kleidungsstücke zu schlitzen, sodass man das Material der Unterkleidung sieht. Zeitweise waren diese Schlitze so groß, dass man sie mit Broschen und Nadeln zusammenhielt. Besonders ist allerdings, dass die Überärmel völlig aus Pelz bestehen. Sich auch außen Pelz zu leisten, war geradezu sündhafter Luxus und oftmals sind die äußeren Ärmel der Kleider in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einfach aus dem Stoff des Kleides.

Ein wichtiges Element der Kleidung ist Stickerei, in der Tudor- und elisabethanischen Zeit vor allem geometrische Muster. Jede Tochter wohlhabender Eltern lernte Stickerei, mit Seidenfäden (Nadelmalerei), Perlen und Fäden aus Edelmetallfäden. Besonders beliebt war im 16. Jahrhundert die sogenannte "Blackwork"-Stickerei, bei der mit schwarzen Fäden geometrische und florale Muster auf feines weißes Leinen gestickt wurden. Dies wurde hauptsächlich auf Unterkleidung/Wäsche ausgeführt und hier besonders auf den Halsausschnitt und die Ärmelsäume, bei Frauen wie Männern.

Der Gürtel, den Königin Catherine trägt, ist modisch und praktisch zugleich. An dem teuren edelsteinbesetzten Gürtel hängt ein mit Duftstoffen gefüllter, durchbrochen gearbeitetet Behälter (der Pomander).

 

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Tudor-Mode und elisabethanischer Kleidung sind folgende:

 

(Mit "Tudor-" soll hier die Zeit gemeint sein, bevor Elisabeth I. Königin wurde. Natürlich gehört auch sie zum Hause Tudor, doch die Mode zur Zeit ihrer Regentschaft unterscheidet sich deutlich z.B. zu der zu Zeiten ihres Vaters Heinrich VIII., daher die Trennung der Begriffe)

 

- Tudorkleider haben normalerweise eine gerade Taillennaht zwischen Oberteil und Rock, nicht (sehr) spitz; in der elisabethanischen Zeit war das Korsett sehr langgezogen und spitz

- in der Tudorzeit trug man keine Halskrausen/Spitzenkrägen; zu Elisabeths Zeit schon

- während die Ärmel in elisabethanischer Zeit meist einlagig und konisch/tropfenförmig (siehe nächster Abschnitt) waren, trug man in der Tudorzeit weite Trompetenärmel über gebauschten Ärmeln darunter (siehe oben Catherine Parr)

Elisabeth I., Hardwick Portrait (flickr, Abb. von Lisby) Mode
Elisabeth I., Hardwick Portrait (flickr, Abb. von Lisby)

Dieses Portrait Königin Elisabeths I. stammt von ca. 1592. Elisabeth trägt ein Korsett und den neu in Mode gekommenen Reifrock, der sich auf Taillenhöhe kreisförmig verbreitert und wie ein Zylinder zu den Füßen herabreicht (im Engl. wheel farthingale). Die Position der Füße, die sich in Wirklichkeit weiter hinten im Mittelpunkt des runden Saums befinden müssten, ist der perspektivischen, zweidimensionalen Darstellung eines dreidimensionalen Objekts geschuldet - gleichzeitig ist es erfreulich, dass man sie auf diese Weise gut studieren kann.

Der Rock über dem Reifrock musste jeden Tag neu von Kammerzofen mit Nadeln in Falten gesteckt werden, es war eher eine Stoffbahn als ein genähter Rock heutigen Verständnisses.

Die Ärmel sind ausgestopft und laufen zum Handgelenk eng zu. Im Englischen heißen diese Ärmel aufgrund der Form cannon sleeves (wörtlich ins Deutsche übersetzt "Kanonenärmel") oder auch leg-o-mutton sleeves ("Hammelbeinärmel").

 

Die Mode zur Zeit Elisabeths war voller Symbolik und reicher Ornamente. Als Königin stand ihr jede noch so wertvolle Dekoration in Sachen Material, Stickerei und Schmuck offen. Auf der zweiten Rockfalte vom Betrachter aus links kann man am Saum Stiefmütterchen entdecken, eine Lieblingsblume der Tudor-Königin, die auch gleichzeitig für Nachdenken beziehungsweise Gedanken stand. Andere Motive, die sich oft in Elisabethanischer Kleidung finden, sind z.B. zwei sich haltende Hände (Freundschaft) und ein glühendes Herz (Liebe). Elisabeths schwarzes Seidenüberkleid ist über und über mit Perlen verziert. Derer bediente sie sich gerne aufgrund ihrer Symbolwirkung, denn Perlen standen für Reinheit, Jungfräulichkeit und Gottesfurcht, genau wie Elisabeth vom Volk gesehen werden wollte.

 

Mary Cornwallis, Gräfin von Bath, 1575 (CC BY 2.0, flickr, Abbildung von Lisby) Tudor Mode Elizabethanisch
Mary Cornwallis, Gräfin von Bath, 1575 (CC BY 2.0, flickr, Abbildung von Lisby)

Es gibt verschiedene Arten von Krägen und Halskrausen:

 

Der Mühlsteinkragen oder die Elizabethanische Halskrause verlaufen in einem Kreis um den Kopf.

Eine andere Form ist der Medici-Kragen, ein fächerförmiger krauser Kragen der um die Schultern bzw. den Hals gelegt wird und sich vorne V-förmig öffnet.

Beliebt waren im späteren 16. Jahrhundert auch halbkreisförmige Krausen, die nur das Rückenteil des Halsausschnitts entlangliefen. Königin Elisabeth ließ sich mehrfach mit herzförmigen, flügelartigen Gauze-Krägen portraitieren. Alle Krausen und Krägen dieser Art mussten von stützenden Aufbauten aus Draht gehalten werden.

Die viele Stärke, die für die kunstvoll gerafften Krägen nötig war, wurde aus Getreide gewonnen. Nahrungsmittel für Mode zu verschwenden, während große Teile der Bevölkerung Elend litten, zog viel Kritik auf sich.

Zu Zeiten Heinrichs VIII. trugen Frauen allerdings oftmals noch keine Halskrausen oder Spitzenkrägen, sondern weit ausgeschnittene Kleider. 

Über ihre Lebenszeit häufte Elisabeth I. eine stolze Sammlung von Kleidungsstücken an - als sie starb war sie im Besitz von sage und schreibe 6000 Kleidern und 80 Perücken.

 

Elizabeth I in den späten 1590er Jahren (CC BY-NC-SA 2.0, flickr, picture by Lisby) Mode Tudor Elisabethianisch
Elizabeth I in den späten 1590er Jahren (CC BY-NC-SA 2.0, flickr, picture by Lisby)

Handschuhe:

 

Die Elisabethanische Handschuhmode ist außergewöhnlich und voller interessanter Fakten. Neben den einfachen Handschuhen für den Alltag gab es wertvolle Prunkhandschuhe, die auch oft auf Portraits dargestellt werden.

Das Vorderteil mit den Fingern wurde beispielsweise aus Schafs- oder Ziegenleder gefertigt. Daran schloss sich ein trapezförmiger Bereich am Handgelenk an. Dieser ist unterhalb des Daumens offen und kann von feinen Bändern zusammengehalten werden. Er wird gauntlet (pl. gauntlets) genannt. Dieser englische Fachterminus wird manchmal auch für den ganzen Handschuh gebraucht, beschreibt aber eigentlich nur diesen Bereich. Dort ist der Handschuh reich bestickt, mit Süßwasserperlen und mit feinster Spitze verziert, manchmal sogar mit Edelsteinen. Die Stickereien sind oft von bester Qualität, gearbeitet mit farbigen Seiden- und Gold- und Silberfäden. Oft finden sich Motive mit tieferer Bedeutung für die Menschen im 16. Jahrhundert.

 

Diese Prunkhandschuhe gehörten wohlhabenden Edelleuten und wurden auch von diesen nur zu besonderen Anlässen getragen. Betrachtet man diese Handschuhe (in Portraits oder die erhaltenen Originale) fällt auf, dass viele unnötig lange Finger aufweisen. Der Grund dafür ist, zu zeigen, dass man nicht arbeiten muss und so (unpraktische) Handschuhe mit überlangen Fingern tragen kann. Die Handschuhe waren nicht waschbar. Die Möglichkeiten der Tudorzeit beschränkten sich auf Kernseife, die das feine Material angegriffen hätte. Also wurden sie parfümiert! Elisabeth I. war stolz auf ihre langen schlanken Hände und ließ sich oft mit den Handschuhen IN statt AN der Hand malen, um sie zur Schau zu stellen.

 

Elisabeth Vernon, Gräfin von Southampton (flickr, picture by Lisby) Schuhe 16. Jahrhundert
Elisabeth Vernon, Gräfin von Southampton, ca. 1603 (flickr, CC 2.0, Abb. von Lisby)

Schuhe:

 

Die Schuhe der Damen waren, besonders in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, oftmals unter den langen und ausladenden Röcken verborgen.

Glücklicherweise wurde es zur Zeit Elisabeths I. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Mode, seine Schuhe zu präsentieren. Königin Elisabeth war stolz auf ihre zierlichen Füße und trug öfters nur knöchellange Kleider, damit man sie bewundern konnte. Diese Mode wurde dann von anderen Adligen aufgegriffen, glücklicherweise für die Kostümgeschichte, die sich sonst ausschließlich auf die wenigen erhaltenen Schuhe und Fundstücke stützen müsste.

 

Auch Elizabeth Vernon, die Gräfin von Southampton, zeigt ihre Füße. Die Schuhe sehen heutigen Ballerinas oder Slipper ähnlich. In vielen Fällen sind sie vorne eckig. Damenschuhe für drinnen waren im 16. und frühen 17. Jahrhundert mit feinen Obermaterialien wie Seide, Taft, Samt oder feinem Leder bezogen. Diese Materialien konnten wiederum mit Perlen, Steinen und Stickerei verziert sein. Der Absatz, den Caterina de'Medici nach Frankreich gebracht hatte, war noch in Mode aber deutlich niedriger.

 

Verließ man das Haus, zog man hölzerne Überschuhe oder Chopines an, um das feine Schuhwerk vor dem Schmutz der Straßen zu schützen. Diese Überschuhe werden auch Kotschuhe genannt, ein reichlich unbeschönigender Name. Sie hatten dicke Sohlen aus Holz oder Kork, die Höhe reichte von wenigen Zentimetern zu dicken Plateaus. Am Fuß befestigt wurden sie mit Schlaufen, Schnallen oder Bändern.

Für die Fortbewegung zu Pferd gab es Reit- und Jagdstiefel, die vollständig (inklusive der Sohle) aus Leder gefertigt wurden.

 

Mary Boleyn (CC BY 2.0, flickr, picture by Lisby) Mode Tudor 16. Jahrhundert gable hood Haube
Mögliches Bildnis von Mary Boleyn (CC BY 2.0, flickr, picture by Lisby)

Haarschmuck:

 

Anne Boleyn, Elisabeths Mutter, wurde 1533 gekrönt und war zuvor bereits mindestens sieben Jahre von Heinrich VIII. umworben worden. Anne war am französischen Hof von Königin Claude unterrichtet worden und brachte bei ihrer Rückkehr nach England den koketteren French Hood mit. Dieser ersetzte schnell die schweren gable hoods, die an ein Hausdach erinnern und das Haar züchtig vollständig verbergen.

 

Hier ist Annes Schwester Mary Boleyn in einem hermelinverbrämten Kleid mit einem gable hood zu sehen, einen Teil des Stoffschleiers hat sie hochgesteckt.

Anne Boleyn trägt einen French hood (flickr, Foto von Lisby) - Tudor Elisabethianisch Elizabethan fashion
Kopie nach einem Porträt von Anne Boleyn, National Portrait Gallery, etwa spätes 16. Jahrhundert (flickr, Foto von Lisby)

Der French hood ist ein halbmondförmiger Kopfputz. Er wird recht weit Richtung Hinterkopf getragen, steht dort leicht vom Kopf ab und gibt so viel Haar preis, wie kaum ein Kopfschmuck in den Epochen zuvor. Er reicht herab bis auf Kinnhöhe und verdeckt die Ohren. Das breite Hauptteil ist mit farbigem Stoff überzogen und meist mit Perlen oder prächtigen Borten verziert. Ein feines plissiertes Band in Gold oder Silber verläuft entlang der inneren Kante und steht leicht hervor. Hinten am French Hood ist ein blickdichter Schleier angebracht, der über den Rücken bis etwa zur Taille fällt und das lange Haar verbirgt. Dieser ist in der Regel als Schlauch zugenäht, sodass die langen Haare (sofern sie nicht geflochten und hochgesteckt sind) völlig verborgen sind.

Mary Fitzalan trägt einen FLAT HOOD, 1565 (flickr, picture by Lisby) elisabethanische Mode Tudor Kleidung
Mary Fitzalan trägt einen FLAT HOOD, 1565 (flickr, Abb. von Lisby)

Unverheiratete junge Frauen durften ihr Haar auch offen tragen. Es ist überliefert, dass Anne Boleyn auf dem Weg zu ihrer Krönung in Westminster ihre Haare offen trug.

 

Eine Variante, der flat hood ("flache Haube"), kam unter Königin Mary ab 1544 wieder auf, der Tochter Heinrichs mit seiner ersten Ehefrau Katharina von Aragon. Die flache Haube ist dem French Hood ähnlich, allerdings ist sie nicht so konvex, sondern liegt eng am Kopf an. Sie erinnert an einen flachgedrückten French hood.

 

Maria Stuart, schottische Königin, trägt ein ATIFET (flickr, picture by Ciaran Roarty)
Maria Stuart während der Schlacht von Langside, Rawcliffe Lodge. Sie trägt ein ATIFET (flickr, picture by Ciaran Roarty)

Eine weitere spätere Variante des French hood ist das Atifet. Es ist eine Kopfbedeckung mit einer herzförmigen und nach vorne in die Stirn gezogenen Krone. Die Ohren können unbedeckt bleiben. Die schottische Königin Maria Stuart trug das Atifet schlicht, in weiß und mit Spitze besetzt, oder wie in der Glasmalerei aus Hermelinpelz.

 

Für die sehr beliebten Maskenbälle wurden Fantasiekopfbedeckungen entworfen und getragen. Königin Elisabeth I. ist berühmt für ihre herzförmigen Frisuren, doch war es nicht ihr eigenes Haar - sie behalf sich besonders als ältere Dame mit Perücken.

 

Frauen der arbeitenden Bevölkerung trugen ihr Haar solange sie unverheiratet waren offen oder mit Bändern zusammengebunden, Verheiratete waren im wahrsten Sinne "unter der Haube".

Königin Elisabeth Tudor I. in sehr hohem Alter, ca. 1600 (flickr, picture by Lisby) Mode im 16. Jahrhundert
Königin Elisabeth I. in sehr hohem Alter, ca. 1600 (flickr, picture by Lisby)

Schmuck:

 

Perlschmuck erscheint in allen Varianten, von Ohrringen über Broschen bis zu kurzen Halsbändern oder taillenlangen Strängen. Es ist möglich, dass nicht alle der dargestellten Schmuckstücke in der Realität oder zumindest in gezeigter Fülle existierten und hier etwas ausgeschmückt wurde, trotzdem kann man annehmen, dass Perlen sehr beliebt waren.

 

Im 15. und 16. Jahrhundert kamen Perlen aus Salzwasseraustern aus Indien oder aus dem arabischen Raum, Zuchtperlen gab es nicht. Das Tauchen nach den Austern war kräftezehrend und gefährlich. Das machte sie teuer und folglich begehrt.  Edelsteine und Halbedelsteine waren ebenfalls sehr beliebt für alle Arten von Schmuckstücken. Sie waren nicht nur modisch, die Menschen schrieben den Steinen auch Kräfte und Bedeutungen zu: Saphire sollten so vor Gift schützen; Smaragdgrün verkündete Liebe in der Farbe des frischen Grüns im Frühlings.

Ein besonderer Anhänger, der sogenannte "Hochzeitsanhänger", mehr dazu im Kapitel zur Renaissance, ist in vielen Portraits zu sehen. Er ist ein goldener Anhänger mit blauem und rotem Stein (Diamant und Rubin), an dem drei Perlen hängen. Personifizierte Schmuckstücke wurden außerdem bevorzugt getragen. Es war nicht unüblich, das Wappen der Familie, die eigenen Initialen - man denke nur an Anne Boleyns berühmte "B"-Kette - oder die beider Ehepartner ineinander verschlungen zu tragen .

 

Eine Quelle von unschätzbarem Wert für die Forschung zu Schmuck aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist mit dem Cheapside-Hoard ans Tageslicht gelangt. 1912 entdeckten Arbeiter unter dem Boden eines Kellers in Cheapside, London, einen großen jahrhundertealten Schatz. Er umfasst mehr als 400 Stücke, viele von höchster Qualität. So wurde zum Beispiel eine Uhr in einen massiven Smaragd eingearbeitet. Wer ihn dort vergrub und aus welchen Gründen ist nicht bekannt. Auch das Kleinodienbuch der Herzogin Anna von Bayern, um 1550, als Faksimile erhältlich und digitalisiert online einsehbar, ist spannend - sie ließ ihren Schmuck in einen kleinen Codex malen. Dabei ist die Vorderansicht des Stücks immer rekto zu sehen und die Rückansicht verso, wenn man umblättert.

 

Schnittmuster:

  • Butterick 5114 (Kleid im elisabethanischen-Stil, passt auch für Kleid der italienischen Spätrenaissance bzw. Manierismus)
  • Butterick 5440 (Kleid aus Oberteil und Rock mit Krause)
  • McCall's 2242 (Kostüme für Edeldame und Magd)
  • McCall's 2798 (zwei Kleider; Kleid A als Tudor-Kleid: die Taillennaht gerade statt V-förmig + die unteren engen Ärmel etwas weiter/gepuffter)
  • McCall's Sewing Pattern 3282 (zwei Kleider mit Gable Hoods, ideal wäre die Puffärmel wegzulassen und die Taillennaht gerade statt spitz zu machen)
  • Simplicity 2589 (Kleid, French Hood, zwei Varianten der Ärmelgestaltung)
  • Simplicity 2621 (Unterkleidung: Hemd, Korsett zur Rückenschnürung und Reifrock/French farthingale)
  • Simplicity 3782 (eine Robe, ein Mantelkleid)
  • Simplicity 4508 (zwei Kleider mit zwei Ärmelvarianten)
  • Simplicity 8881 (Kleider im Elisabethanischen Stil)
  • Simplicity 9832 (Kleid mit "Medici-Kragen/-Halskrause")
  • Simplicity 9929 (Elisabethanisches Kleid mit Gable Hood, dazu
  • ein Renaissancekleid und ein mittelalterliches Kleid)
  • Period Patterns No 56 (sechs verschiedene Kleider aus der Tudor- und der Elisabethanischen Zeit

- Die aufgelisteten Schnittmuster sind nicht als Werbung zu verstehen sondern dienen rein informativen Zwecken. Die Liste beansprucht keine Vollständigkeit oder Bewertung -


Schlagwörter: Mode, Kostüm, Kleidung, Kostümgeschichte, Tudor, Elisabeth, Elizabeth, Anne Boleyn, Heinrich VIII, England, Kleid, French Hood, Rosenkriege, Reifrock, Schnittmuster, 16. Jahrhundert, Handschuhe, gauntlets, Schmuck, Stickerei, Goldenes Zeitalter, Kragen


© Nina Möller